Das Sabbatical Was ist ein Sabbatical?

Der Name stammt vom hebräischen Wort „Shabbat“ ab und bedeutet „aufhören“ oder „loslassen“. Das Sabbatical oder auch Sabbatjahr ist ein Arbeitszeitmodell für einen längeren Sonderurlaub. Bei diesem Modell kann man zeitlich befristet, meist für drei bis zwölf Monate, aus dem Arbeitsalltag aussteigen und danach wieder an den Arbeitsplatz zurückkehren. Die freie Zeit wird durch Abbau von Arbeitszeitkonten (Überstunden) oder durch Gehaltsverzicht oder Gehaltsreduzierung möglich.

Habe ich einen Anspruch?

Die gesetzliche Grundlage für Arbeitnehmer in der freien Wirtschaft bildet das Teilzeit- und Befristungsgesetz. Dessen Regelungen erlauben eine flexible Gestaltung der Arbeitszeit, begründen jedoch keinen generellen Rechtsanspruch. Ein Arbeitgeber kann ein Sabbatical aus betrieblichen Gründen ablehnen. Auch für Beamte und gleichgestellte Angestellte gibt es in den Bundesländern entsprechende Angebote und Regelungen. Rechtlich gesehen, stellt ein Sabbatical eine einvernehmliche vertragliche Arbeitsbefreiung dar, in der die Pflicht zur Arbeitsleistung für einen befristeten Zeitraum ruht, die Nebenpflichten aber weiterhin bestehen bleiben. Sonderfall: Wenn in der Auszeit Verwandte gepflegt oder Kinder gehütet werden, gibt es dafür einen gesetzlichen Anspruch.

Warum nehmen Menschen ein Sabbatical?

Viele Menschen leiden zunehmend unter Arbeitsdruck und Zeitmangel, fühlen sich wie im Hamsterrad und funktionieren nur noch im immer gleichen Trott. Eine längere Auszeit kann dazu dienen, sich zu regenerieren, neu zu orientieren, Abstand zu gewinnen und neue Erfahrungen zu sammeln (z. B. Weltreise, soziales Projekt). Sabbaticals werden oft auch dazu genutzt, sich weiterzubilden, eine Umschulung zu machen, oder private Projekte (z. B. Hausbau) zu realisieren.

Wie kann ich ein Sabbatical vorbereiten?

Ein Arbeitgeber ist verständlicherweise an störungsarmen Abläufen und nicht unbedingt an Zusatzaufwand interessiert. Eine Auszeit wird er nur dann befürworten, wenn sie rechtzeitig und sorgfältig geplant wurde und auch für den Vorgesetzten die Vorteile überwiegen.

Deshalb sollte man unbedingt zunächst folgende Punkte klären:

  • Was will ich in dieser Zeit machen?
  • Gibt es bereits Betriebsvereinbarungen?
  • Hat schon mal jemand eine solche Auszeit genommen? Wenn dies so ist, sind die Chancen größer und der Klärungsaufwand geringer.
  • Gibt es bestehende Regelungen und Erfahrungen in meinem Betrieb?
  • Betriebsklima: Wie kann ich Kollegen mit einbeziehen und Gerede und Neid reduzieren?
  • Wird das Gehalt weiter bezahlt, kann ich Kosten reduzieren, reichen meine Ersparnisse?

Persönliche Zugeständnisse:

  • Bin ich beim Zeitraum und beim Wiedereinstieg flexibel?
  • Kann ich die Auszeit auch mit einer Weiterbildung verbinden?
  • Akzeptiere ich veränderte Arbeitsbedingungen nach der Auszeit?
  • Bin ich in Ausnahmefällen für die Firma erreichbar?

Günstigster Zeitraum für die Auszeit

Überlegen Sie, welcher Zeitraum für Sie, aber ebenso für die Firma günstig wäre. Ein Projektabschluss, ein geplanter Abteilungswechsel oder Auftragseinbrüche sind gute Gelegenheiten. Zu lange Fehlzeiten (länger als ein Jahr) können jedoch für alle Seiten nachteilig sein, wenn der Anschluss zu sehr verloren geht und die Wiedereingewöhnung an betriebliche Abläufe immer schwieriger wird. Vorteile für das Unternehmen: Das können die Weiterentwicklung des Mitarbeiters sein, wie z. B. neue Sprachkenntnisse, (Auslands-) Erfahrungen, neue Ideen und frische Motivation, aber auch die Überbrückung eines Auftragslochs, die Einsparung von Personalkosten und ein positives Firmenimage als moderner Arbeitgeber.

Gespräch mit dem Arbeitgeber

Erst wenn ich weiß, wie ich eine Auszeit begründen will, Vorschläge habe, wer die Arbeit erledigt und sicher bin, dass ich mir ein Sabbatical leisten kann und will, ist ein Gespräch mit dem Chef sinnvoll. Vorbereitung ist dabei alles: Ton und Argumente müssen sitzen, denn das Gespräch soll die Vertrauensbasis zum Vorgesetzten ja nicht gefährden. Viele Trainer empfehlen für solche Gespräche ein Rollenspiel mit einem Freund oder Bekannten, vorzugsweise mit jemandem, der selbst Vorgesetzter ist und sich gut in die Rolle des Chefs hineinversetzen kann. Ebenfalls wichtig: Das Gespräch sollte lange im Vorfeld geführt werden. Vereinbaren Sie einen günstigen Termin für ein persönliches Gespräch. Der Chef sollte nicht gerade im Stress, sondern gut drauf sein. Schildern Sie die Vorteile für beide Seiten und machen Sie auch gleich Vorschläge für die organisatorische Umsetzung (Zeitplan, Abwesenheitsregelung, Muster für Vertragsgestaltung, Wiedereinstiegsmöglichkeiten). Lassen Sie ihm Zeit für eine Entscheidung.

 

 

Wie arrangiere ich die Auszeit?

Unbezahlter Urlaub

Hierbei ruht das Arbeitsverhältnis, der Kündigungsschutz besteht aber weiter. Bei unbezahltem Urlaub ist man aber nur in den ersten vier Wochen des Urlaubs sozialversichert. Danach muss man sich selbst versichern.
LebensarbeitszeitkontenSie sind für das Sabbatical besonders geeignet. Auf diesen Langzeitkonten werden Überstunden oder nicht genommener Urlaub angesammelt und für eine mehrmonatige Auszeit genutzt. Vorteil: Das Gehalt läuft weiter und auch die Sozialversicherungsbeiträge werden weiterhin vom Arbeitgeber bezahlt.
Teilzeit-ModelleDer Arbeitnehmer arbeitet beispielsweise 40 Stunden pro Woche, bekommt aber nur 30 Stunden bezahlt. Die unbezahlten Stunden fließen wieder auf das Langzeitkonto. In diesem Fall wäre z. B. ein freies Jahr bereits nach drei Jahren möglich! Mit dieser Sonderform ergeben sich bei einem Sabbatjahr dieselben Vorteile wie beim Lebensarbeitszeitkonto.
Kündigung der ArbeitsstelleBei einer Kündigung (mit Wiedereinstellungsgarantie oder Abfindung) muss man sich natürlich selbst versichern. Diese Form kann besonders für den Arbeitgeber interessant sein, wenn er in Krisenzeiten Personal abbauen muss.

Der Sabbatical-Vertrag

Welche Dinge sollten vertraglich geregelt sein? Vertrauen ist gut. Aber alles, was bereits im Vorfeld sauber in einem Sabbatical-Vertrag geklärt wird, führt im Nachhinein nicht zu unnötigem Ärger oder Streit! 

  • Wann beginnt und endet die Ansparphase und wann die Freistellungsphase?
  • Welches Einkommen inkl. Sonderzahlungen wird weiterhin gezahlt?
  • Gibt es während der Auszeit auch normalen Jahresurlaub?
  • Was passiert bei Krankheit?
  • In welchen Fällen darf der Arbeitgeber den Arbeitnehmer während der Auszeit kontaktieren?
  • Welche Aufgabe, welche Funktion, welche Arbeitszeit, welcher Standort sind nach der Rückkehr vorgesehen?
  • Sonderfälle: vorzeitige Beendigung des Sabbaticals, Insolvenz, geänderter Einsatz, Kündigungsschutz, betriebsbedingte Kündigung, Abfindung

Wie gelingt der Wiedereinstieg am Arbeitsplatz?

Die Rückkehr an den Arbeitsplatz fällt nach so einer langen Pause oft sehr schwer. An den Acht-Stunden-Tag, den Lärm und die ganze Hektik muss man sich erst wieder gewöhnen! Muss man das? Was mache ich eigentlich hier? Nach so viel Freiheit und neuen Erfahrungen sollte man versuchen, möglichst viel davon vor dem Alltag zu „retten”. Aufgehängte Reise-Fotos, ein Tagebuch und Gespräche mit gleichgesinnten Freunden helfen dabei. Welche Erfahrungen haben andere gemacht? Viele kommen mit mehr Gelassenheit und neuer Kraft zurück, anderen fällt der Wiedereinstieg schwer. Aussteiger berichten häufig von diesen Erfahrungen:

  • Die Vorbereitung war einfacher als gedacht.
  • Am Anfang fiel es schwer, von 100 % runterzuschalten.
  • Ich hatte viel mehr Abstand und bin besser erholt als bei einem normalen Urlaub.
  • Ich habe neue Erfahrungen und unvergessliche Eindrücke gesammelt.
  • Während meiner Abwesenheit habe ich eigentlich nichts Wichtiges verpasst!
  • Was passiert hier eigentlich? Warum nur die ganze Hektik?
  • Ich habe neue Sichtweisen, mehr Überblick und eine neue Gelassenheit im Umgang mit anderen gelernt.
  • Ich habe mehr Entscheidungsfreude: Was kann denn wirklich Weltbewegendes geschehen?
  • Ich bin nun aufgeschlossener für Neues und Veränderungen.

 

 

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